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"Es lebe die Freiheit!"

75 Jahre Befreiung - (un)fassbar

Für unfassbare innere Freiheit, für Befreiung, für eine Auferstehung steht die Weisse Rose, für eine Auferstehung aus Gewöhnung - an Macht, Unterwürfigkeit, blinden, furchtsamen Gehorsam, Grabesstille. Sie hat den Studenten Chistl Probst, Hans und Sophie Scholl am 22. Februar 1943 den Kopf gekostet, nicht die Befreiung, die Auferstehung. Mit "Es lebe die Freiheit!" schritten sie zur Hinrichtung.

Einer Auferstehung verdankt die Weisse Rose ihren Namen, der Auferstehung eines Mädchens in Dostojewskis Roman "die Brüder Karamasow":

Es verlangte Ihn (Jesus), wenn auch nur für sehr kurze Zeit, seine Kinder zu besuchen, und zwar vor allem dort, wo gerade die Scheiterhaufen der Ketzer prasselten. Nun wandelt Er in seiner unermeßlichen Barmherzigkeit noch einmal unter den Menschen in eben jener Menschengestalt, in der Er fünfzehn Jahrhunderte früher dreiunddreißig Jahre unter ihnen geweilt hat. ... Er bleibt am Portal des Domes von Sevilla stehen, gerade in dem Augenblick, wo ein offener weißer Kindersarg unter Weinen und Wehklagen hineingetragen wird; darin liegt ein siebenjähriges Mädchen, die einzige Tochter eines angesehenen Bürgers. Das tote Kind ist ganz in Blumen gebettet. ›Er wird dein Kind auferwecken‹, ruft man der weinenden Mutter aus der Menge zu. ... da ertönt das laute Schluchzen der Mutter des gestorbenen Kindes. Sie wirft sich Ihm zu Füßen. ›Wenn du es bist, so erwecke mein Kind!‹ ruft sie und streckt Ihm die Hände entgegen. ... Er blickt voll Mitleid auf die kleine Leiche, und seine Lippen sprechen wiederum die Worte: ›Talitha, kumi – Mägdlein, stehe auf!‹ Das Mädchen erhebt sich im Sarg, setzt sich auf und schaut lächelnd mit erstaunten, weitgeöffneten Augen um sich. In den Händen hält es den Strauß weiße Rosen, mit dem es im Sarg gelegen hat. Das Volk ist starr vor Staunen, schreit und schluchzt – und siehe da, genau in diesem Augenblick geht plötzlich der Kardinal-Großinquisitor selbst über den Platz vor dem Dom, ... ein fast neunzigjähriger Greis, hochgewachsen und gerade, mit vertrocknetem Gesicht und eingesunkenen Augen, in denen aber noch ein schwaches Feuer glimmt. Er trägt ... nur seine alte, grobe Mönchskutte. Ihm folgen in einiger Entfernung seine finsteren Gehilfen und Knechte und die ›heilige‹ Wache. Er bleibt vor der Menge stehen und beobachtet von fern, sieht alles ... und sein Gesicht verfinstert sich. ... Er streckt einen Finger aus und befiehlt der Wache, Ihn zu ergreifen. Und seine Macht ist so groß, das Volk ist so an Unterwürfigkeit, an den blinden, furchtsamen Gehorsam ihm gegenüber gewöhnt, daß die Menge vor den Wächtern sofort auseinanderweicht und diese in plötzlicher Grabesstille Hand an Ihn legen und Ihn fortführen können. (Auftakt der Erzählung `der Großinquisitor´ in „die Brüder Karamasow“ von Fjodor M. Dostojewski)

Das Weisse Rose Institut e.V. München

     bürgt für eine kompetente wissenschaftliche Würdigung der Weissen Rose, die nachhaltig für Jung und Alt inspirierend ist. Mit bescheidensten Mitteln ist das Weisse Rose Institut e. V. um den Aufbau einer Bibliothek zur Weissen Rose bemüht, macht beeindruckend tiefgründige Veranstaltungen, Fortbildungen, Ausstellungen mit profilierten Kooperationspartnern, pflegt einen ausnehmend freundlichen und feinsinnigen Kontakt zu den Angehörigen der Weissen Rose und vieles mehr.

     Am Samstag, 22. Februar 2020, treffen wir uns wie jedes Jahr um 15.30 im Gefängnis Stadelheim zum Gedenken an die Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probst, anschließend gehen wir zu den Gräbern.

 

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Be drunk - Schlussakord von "Psychose Multiple Choice"

20 Jahre PISA-Studie - 3

Theater an Afra/ Meißen spielt dieses Schuljahr

Psychose Multiple Choice. die Prüfungshölle nach Sarah Kane & Alejandro Zambra

Prémiere: 4.+5.2.2020, 19.00 im Landesgymnasium St. Afra, Raum 105. Eintritt frei.

Spieler- und ZuschauerInnen, sitzen in einem Prüfungssaal, jede(r) an einem Tisch, jede(r) vor Blatt mit Feldern zum Ankreuzen. Aufgaben werden gebeamt, die üblichen: kreuzen Sie das Wort an, das sinngemäß nicht zu dem Oberbegriff passt, ergänzen Sie den Sinn der Aussage, indem Sie das Element ankreuzen, das sinnvoll ist etc. Die Zeit läuft. Die Hölle. 60 Minuten.

Die Aufführung kommt ab 26.2.2020 auch gerne zu Ihnen vor Ort.  Mehr + Kontaktdaten erfahren Sie hier.

Sei immer trunken. Auf nichts kommt es an. Das ist das einzige. Trunken von was? Von Wein, von Poesie oder von Tugend, wie immer du willst. …" (Baudelaire)

 

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Welches Alphabeth wollen wir?

20 Jahre PISA-Studie - 2

 

Bildung kommt von Bild, nicht von Buch, sonst sprächen wir von Buchung, Buchhaltern und Bücherwürmern - und das wär´s. Sie lachen? Ist PISA etwas anderes als Buchhaltung? P steht für programme. Da wissen wir doch Bescheid. Dazu gibt es eine Doku von 2013. Im selben Jahr wurde sie in der ARD in knapp 8 Minuten vorgestellt - voila!

Seit 20 Jahren arbeiten deutsche Bildungsentwürfe und Standardisierungen als Programm für ökonomische Interessen: mit PISA (Programme for International Student Assessment) hat die OECD ein neues, an einer ökonomischen Fiktion orientiertes Bildungskonzept durchgesetzt. Unterricht ist ausgerichtet als Training für Tests, Prüfungen, Rankings, als pädagogischer Hundert-Meter-Lauf für alle. „Gebildet“ werden ökonomische, mechanistische, digitale Vorstellungen - sie

-       denken fast ausschließlich binär, kennen wenig außer ja oder nein,

-       fordern, ökonomische Erwartungen zu bedienen

-       setzen Sollen vor Wollen,

-       arbeiten mit hohen Erfolgsversprechen, Belohnungs- und Bedrohungsszenarien,

-       schüren Überlegenheitsgefühle und zwischenmenschliche Dauerwettbewerbe,

-       erklären Jugendliche zu output-orientierte Produzenten von Leistung und nach den Standards der Ökonomie angeblich disfunktionale Menschen zum Problem.

Die Folgen: Freudlosigkeit, Gestaltungsarmut, Entpolitisierung, Krankheiten, Verachtung. Wenn auch noch Zuneigung und Liebe funktionalisiert wird, unsere Vorstellungen davon von den Wahrnehmungen einer sexualisierten Gesellschaft geprägt sind, dann stürzen wir in die Kulturlosigkeit. Haben wir eine Schwäche für Uniformität, Funktionalität und Maschinerie?

 Gestern haben wir ein Kind bekommen. Ein Flow, ein Moment von Ewigkeit. Im Angesicht des Neugeborenen ist keine Frage, dass man Leben à la PISA nicht buchstabieren kann. Ist PISA kinderlos?

 

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Wem mangelt es eigentlich an Lesekompetenz?

20 Jahre PISA-Studie - 1

Sehr geehrte PISAisten! Können Sie das lesen und verstehen? Als ganz normaler Bürger hat man nicht den Eindruck, dass Sie das können. Probieren Sie doch mal:

Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Sie brauchen nichts zu unterstreichen, keinen Multiple-Choice-Test dazu auszufüllen, keinen Vergleich, kein Ranking, keine Umfrage anzustellen. Können Sie sich außerhalb von Multiple-Choice-Tests, Vergleich, Ranking, Umfrage überhaupt etwas von Bedeutung vorstellen? Wenn wir ganz normale Bürger was von Bedeutung bräuchten, dann nur, dass Sie das beherzigen, was da steht. Kennt ja auch eigentlich jedes Kind, ist ja auch schon altbewährt - Sie möglicherweise nicht, denn bei Ihren Tests spielt es sichtlich keine Rolle. Wir aber haben das lern to test satt. Für uns wäre es immerhin ein Anfang, nach 20 Jahren angeblicher Bildungsoptimierung auf Basis eines medial aufgeputschten Schocks endlich wieder von unendlicher Selbstbespiegelung in Form von Rankings hin zu Gemeinsinn im Sinne von Ehrlichkeit, Empathie, Gerechtigkeit, Solidarität, Freundlichkeit, Verantwortungsbewußtsein, Barmherzigkeit, Sinn für Schönheit usw. zu finden - also zu dem, "was PISA nicht gemessen hat", wie unter vielen anderen der fünfte Kulturbericht des Sächsischen Kultursenats vom November 2012 mit diesem Titel kurz&bündig darstellt. Wenn Sie z. B. auch noch den lesen und verstehen können würden, dürften entökonomisierte Bildungsreflexionen mit qualitativen Antworten zu wirklich relevanten Themen kaum auf sich warten lassen. Gönnen doch auch Sie sich mal was Schönes! Wir unterstützen Sie bei der Entdeckung menschlicher Profilierung gerne.

PS Jede Suchmaschine kann Ihnen den Weg zu dem o.g. Diktum + Autor weisen.

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Profil 180Grad-Wende

Dank DisFunktionalität Solidarisch und kreativ

Lust auf Entdeckung verborgener Schätze? Die finden sich meist in 180Grad Gegenrichtung - wie bei Edison und Perlman. Hören Sie mal! Das gab´s heute beim Deutschlandfunk zum Frühstück um 6.35. Probieren Sie´s - es ist ein Genuss.

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